Lazuri! (Sprache der Kolcher)
Die lasische Sprache gehört zur südkaukasischen Sprachfamilie – verwandt mit dem Georgischen, Mingrelischen und Swanischen, aber weder mit dem Türkischen noch mit dem Griechischen. Sogar das GEO-Magazin (Ausgabe Türkei Special 04/98) stellte die Lasen fälschlicherweise als griechischsprechendes Volk dar. Einige Lasen können zwar Pontisch sprechen, was jedoch historische Gründe hat: Sie lebten im damaligen Trapezunt in enger Nachbarschaft zur pontischen Bevölkerung. Der Artikel war dennoch lesenswert – es war erfreulich, dass das GEO-Magazin dem Nordostteil der Türkei Aufmerksamkeit schenkte.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde Lazuri durch das Türkische und das Georgische beeinflusst. Da es lange keinen Sprachunterricht auf Lasisch gab, haben sich die Dialekte von Ort zu Ort unterschiedlich entwickelt. Interessant ist dabei, dass Lazuri und Mingrelisch so eng verwandt sind, dass manche Linguisten sie als Dialekte einer gemeinsamen Ursprungssprache betrachten – dem sogenannten Zanischen. Das Georgische ist dagegen etwas entfernter verwandt, ähnlich wie etwa Deutsch und Niederländisch innerhalb der germanischen Sprachfamilie.
Für Sprecher europäischer Sprachen klingt Lazuri melodisch und zugleich ungewohnt komplex.Lazuri war über Jahrhunderte eine rein mündliche Sprache – Märchen, Lieder und Sprichwörter wurden ausschließlich mündlich weitergegeben. Erst 1984 entstand in der Türkei ein lateinbasiertes Schriftsystem, entwickelt von Fahri Lazoğlu und dem deutschen Linguisten Wolfgang Feurstein. In Georgien wird Lazuri gelegentlich mit dem georgischen Alphabet geschrieben, das für die Laute der südkaukasischen Sprachen besser geeignet ist. 1999 erschien das erste Lazuri-Türkisch Wörterbuch – ein wichtiger Meilenstein für die Dokumentation der Sprache.
Viele Lasen wachsen zweisprachig auf. Schätzungsweise 70 % der Kolcher sprechen heute noch Lazuri. Besonders lebendig ist die Sprache rund um Arhavi (Arkabi) in der Provinz Artvin: In vielen Dörfern, auf den Straßen und in den Geschäften der Stadt wird Lazuri noch aktiv gesprochen. Orte wie Arili Köy – unter dem älteren Namen Papilat bekannt – sind dafür ein schönes Beispiel. Auch viele Geschäfte in Arhavi tragen lasische Namen.
Musik und Zeitschriften auf Lasisch sind heute legal erhältlich. Seit 2012 wird Lazuri in einigen türkischen Schulen als Wahlfach angeboten – ein erster, wichtiger Schritt. 2013 wurde in Istanbul das Laz-Institut gegründet, das sich der Dokumentation und Förderung der Sprache widmet. Die UNESCO hat Lazuri als gefährdet eingestuft. Die Situation der Mingrelischen Sprache in Georgien ist ähnlich: auch dort lebt die Sprache vor allem im Alltag und in der mündlichen Überlieferung weiter.